Statement der FRAKTION B90 / DIE GRÜNEN zur Aufstellung des Bebauungsplans „Eischeid Nordwest“

Bei der Informationsveranstaltung der Gemeindeverwaltung am 28.08.19 im Landgasthaus Herchenbach wurden vornehmlich die vielen Bedenken und Vorbehalte deutlich, die die Bürger Eischeids mit der Entwicklung dieses Baugebietes verbinden.

Hauptsächlich durch die unverbindlichen und schwammigen Erklärungen des Investors wurden viele bestehende Unsicherheiten noch verstärkt und es entwickelte sich an diesem Abend insgesamt der fatale Eindruck, dass sich die Eischeider grundsätzlich gegen den Zuzug neuer Mitbürger sträuben. 

Wie wir aus vielen ausführlichen Gesprächen mit den Dorfbewohnern wissen, ist dies jedoch absolut unzutreffend!

Was hier allerdings auf massive Ablehnung stößt, ist die Dimension, in der hier, in landwirtschaftlich intensiv genutztem und landschaftlich sensiblem Außenbereich ein Neubaugebiet geplant werden soll:
an der Hauptzufahrt und der höchsten Stelle des Dorfes – und gleichzeitig der gesamten Gemeinde – soll hier eine, gemessen an Eischeids bisherigen Ausmaßen, enorm große Neubausiedlung „vorgeklotzt“ werden.

Nur allzu verständlich und völlig berechtigt, dass die Eischeider angesichts dieser Perspektive massive Ängste und Sorgen um die soziokulturelle Identität ihres kleinen Ortes entwickeln!

Eine häufige Prognose bei unseren Gesprächen war: „Das wächst doch niemals zusammen!“

Erst recht versteht man dies, wenn man ebenso wie die Dörfler weiß, dass sich durch die Ausweisung zweier weiterer Neubaugebiete die Struktur des Ortes in Kürze ohnehin schon erheblich verändern wird:
die geplanten Bauvorhaben „Stehlsiefen“ sowie „Zum Steimerich“.

Die Ortslage Eischeid hat größtenteils eine allmählich gewachsene, recht gleichmäßig entwickelte Bebauung erfahren; regionstypisch hat sich in den letzten Jahrzehnten dabei sukzessive die heute vorherrschende reine Wohnbebauung harmonisch in die älteren landwirtschaftlichen Strukturen integriert.

Die Bewohner pflegen regen Austausch und intensive, häufig familiäre Kontakte; es gibt hier eine rührige, gut funktionierende und agile Dorfgemeinschaft, deren teilweise regelmäßige Aktionen und Veranstaltungen weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt und beliebt sind:
Pfingstfest, Schlachtfest, Dorfplatzaktionen, gemeinsame Wanderungen und Radtouren führen dazu, dass die Menschen sich hier wohlfühlen und ein starkes „Wir-Gefühl“ entwickeln.

Natürlich sind sie bestrebt, neue Mitbürger in diese Gemeinschaft einzubeziehen und zu integrieren – doch wie soll dies gelingen, angesichts eines solch schlagartigen, massiven Zuzugs?

Vergleicht man die im Flächennutzungsplan ausgewiesene bebaubare Fläche mit der heute vom Investor eingeplanten, wird sofort eines deutlich: die dabei vorgenommene Ausdehnung beziffert sich nicht etwa auf Erweiterungen in der Größenordnung von 10, 20 oder 30% – nein, sie beläuft sich schlicht auf etwa das Doppelte der ursprünglichen Fläche.

Niemanden, der sich auch nur halbwegs mit den Gepflogenheiten des Bauwesens auskennt, wird dies ernsthaft wundern, besonders wenn er erfährt, dass hier der Planer gleichzeitig der Investor ist!

Eher schon drängt sich hier zwangsweise das sprichwörtliche Bild vom Bock auf, den man zum Gärtner gemacht hat:
unweigerlich gefangen im Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichen Maximierungsinteressen einerseits und halbwegs bedarfsgerechter EFH- und Doppelhaushälften-Planung andererseits hat sich der derart Überforderte – durchaus nachvollziehbar – halt für die Profitmaximierung entschieden.

Nicht nur die Bürger Eischeids, sondern auch der gesamten übrigen Gemeinde wünschen sich in einem solchen Fall den Schutz und die Hilfe der Verwaltung.

Deren Aufgabe wäre es etwa, den übereifrigen und bedenkenlosen Investor behutsam an die Hand zu nehmen und ihn fürsorglich auf die Pfade angepasster und sozialverträglicher Wohnbebauungsplanung zurückzuführen.

Keinesfalls jedoch wollen sie – ebenso wenig wie die Bewohner jeglicher der übrigen 68 zur Gemeinde gehörigen Ortschaften –  erleben, dass, quasi exemplarisch an ihrem Lebensort, die Bausünden der Verwaltung der gesamten letzten Jahrzehnte gesühnt werden!

Hinter dem Lippenbekenntnis, auch die Interessen der  Eischeider Bürger zu schützen, wollen CDU und FDP diesen Bebauungsplan rücksichtslos und schnellstens durchpeitschen – wir GRÜNEN hoffen, dass sich nicht nur die Eischeider Wähler bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr deutlich an dieses Verhalten erinnern werden…!

Wir von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN befürworten grundsätzlich jede Ausweisung dringend benötigter Wohnbaugebiete in unserer Gemeinde.

Allerdings lehnen wir eine Entwicklung dieser „mit der Brechstange“ ab:
wir fordern eine sozialverträgliche, angepasste Bauweise, bei der bestehende und neue Strukturen harmonisch zusammenwachsen können.

Wir bestehen auf einer Bauplanung mit Augenmaß!

Berthold Gerbracht

Ratsmitglied

Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

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