Unsere Position bei Bauprojekten

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Wenn es in unserer Gemeinde um das Bauen geht, speziell wenn es um Bauprojekte der Gemeinde geht, legen wir GRÜNEN immer eine gewisse Grundskepsis an den Tag. Momentan beschäftigen wir uns in Neunkirchen-Seelscheid mit dem neuen Bauhof, der neuen Feuerwehr und dem neuen Selbstlernzentrum an der Gesamtschule. Diese Projekte sind noch nicht fertig gestellt, da werden schon die nächsten geplant. Da soll eine Sporthalle abgerissen werden, um daneben eine neue Sporthalle aufzubauen. Andere träumen bereits von einem ganzen Sportzentrum. Nicht gemeindlich, aber aus unserer Sicht völlig irre, ist der Plan, den LIDL in Neunkirchen abzureißen, um ihn etwas versetzt, um 90° gedreht wieder aufzubauen. Sowohl in Seelscheid wie auch in Neunkirchen wird alter Wohnbestand weggebaggert und durch Neubauten ersetzt.

Woher kommt unserer Grundskepsis? Natürlich sind neue Gebäude hübsch anzusehen und verleihen unserem Ortsbild den Anstrich einer gewissen Modernität. Aber Fakt ist, dass 40% der direkten und indirekten CO2-Belastungen durch das Bauen entstehen. Der Bausektor ist ein entscheidender Faktor bei der Klimabelastung. Aber nicht nur das: Der Abbruch und Umbau von Gebäuden verursachen riesige Stoffströme: Bodenaushub, Straßenaufbrauch, Bauschutt sorgen dafür, dass Bauabfälle mit rund 215 Millionen Tonnen der größte Abfallstrom in Deutschland sind. In diesem Sinne machen Baumaßnahmen über die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens Deutschlands aus.

Und damit nicht genug. Generell und nicht nur bei unseren kommunalen Bauprojekten wird überwiegend konventionell gebaut. Diese Art zu Bauen ist der Wirtschaftszweig mit dem höchsten Ressourcenverbrauch. Allein die Herstellung von Baustoffen ist weltweit für 11% der CO2-Emissionen verantwortlich. Und 90% des inländischen Abbaus mineralischer Rohstoffe geht zu Lasten der Bauindustrie. Wenn wir es in unsere Gemeinde mit dem Klimaschutz ernst meinen, dann müssten bei uns nachhaltige Rohstoffen eingesetzt werden. Die Planungen der Feuerwehr oder des Selbstlernzentrums weisen jedoch bisher noch nicht einmal ein nachhaltiges Heizsystem auf.

Ein nachhaltiges Bauen setzt auf nachwachsende Ressourcen wie Holz, Stroh oder Hanf, und betrachtet Aspekte der Kreislaufwirtschaft. Es ist durchaus möglich Baumaterialien wiederzuverwenden – oder von vorneherein zu sanieren, statt neu zu bauen. Das alles ist natürlich teurer als konventionelles Bauen. Und deshalb ist unsere Position: lieber weniger groß und dafür nachhaltig. Nachhaltige Planung beginnt mit verantwortungsvoller Planung. Das betrifft nicht nur die Standortwahl bei Neubauten, sondern auch die Verwendung nachhaltiger Materialien. Letztlich muss so gebaut werden, dass das Bauen möglichst umwelt- und klimaschonend und der Lebenszyklus von Gebäuden möglichst lange ist.

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