Nur ein Quadratmeter …

Nur einen Quadratmeter ist die im Bild gezeigte Fläche groß! Es ist öffentliches naturnahes Grün, besser Bunt.

So könnten viele der Straßenbegleitflächen und Verkehrsinseln bei uns aussehen. Der Normalfall sind aber immer noch Einheitsgrünflächen, die durch mehrmaliges, oft auch aufwendiges Mähen nicht schöner, geschweige denn ökologischer werden. Durch Ausweisung solcher kleinerer Flächen in Patenschaftsflächen für Bürgerinnen und Bürger könnte unsere Gemeinde viel für Pflanzen und Insekten in unserer artenarm gewordenen Umwelt tun.

Der dramatische Rückgang der Blütenpflanzen und vor allem der Insekten ist nun wahrlich erschütternd dokumentiert. Kommt man von Much aus nach Neunkirchen, so fällt auf, dass die Einfahrt rund um den „Aldikreisel“ sich durchaus positiv hervorhebt. Hier ist die Gemeinde auf einem guten Weg mehr Natur zuzulassen, vom schönen optischen Eindruck einmal ganz abgesehen. Die Randstreifen sind von der Firma Jütten sehr blüten- und artenreich mit Stauden bepflanzt und werden vorbildlich gepflegt. Allerdings erfordert diese sehr gelungene Bepflanzung eine intensive Pflege. Gleiches gilt für die Kreiselfläche, in der durchaus noch mehr insektenfreundliche Stauden blühen könnten.

Daneben sind aber auch extensiv bewirtschaftete Flächen zu sehen, die einen noch viel größeren ökologischen Wert haben. Die steile Böschung gegenüber Aldi hat sich durch erfreulich zurückhaltende Pflegemaßnahmen des Bauhofes wunderbar entwickelt und hat vor allem im Mai/Juni einen Blütenteppich aus Margeriten, Flockenblumen, Hornklee, kleinem Wiesenknopf, Storchenschnabel und anderen Arten hervorgebracht. So kann naturnahes öffentliches Grün auch aussehen.

Auf drei der kleineren Verkehrsinseln wurden im März – in Absprache mit der Gemeinde – unterschiedliche Samenmischungen einjähriger und zweijähriger Pflanzen ausgebracht. Es soll untersucht werden, welche Samenmischung hier am besten aufgehen und wie die Pflanzen aussamen. Das Foto zeigt eine dieser Inseln mit Mohnblumen, Kornblumen, Kornraden, Saatwucherblumen u.a. Der Pflegeaufwand ist bis auf das Lockern der Böden im Frühjahr gering, mager sind diese Böden ohnehin. Bei Trockenheit während des Keimens müßte hin und wieder gegossen werden. Wie die beginnende Dürre hier wirkt, bleibt abzuwarten. Das aber betrifft alle Randstreifen und wird auf den Pflanzenbewuchs zunehmend Einfluss haben.

Patenschaftsflächen wären diesbezüglich ideal für direkte Anwohner, die bereit sind, gelegentlich zu gießen. Auf privaten Gartengrundstücken ist ein Quadratmeter mit etwas Gießen den gesamten Sommer über am Blühen zu halten. Gemäht werden müssen die öffentlichen Flächen nur einmal im Spätsommer, das wäre auch eine Entlastung der Bauhöfe, die ja sehr viele Flächen zu pflegen haben. Mir scheint es so, dass sich auch hier langsam mit einer solchen Extensivierung angefreundet wird.

Erstaunlich ist für mich auch, dass die drei Schilder: Bitte nicht mähen – Patenschaftsfläche der Gemeinde – immer noch stehen. In jedem Fall ist es eine sinnvolle Aufgabe für die Gemeinde und die Bürgerinnen und Bürger nach Auswertung der diesjährigen Ergebnisse möglichst viele dieser Kleinflächen engagierten Paten zu überlassen.

So viel sei schon gesagt: es macht Spaß eine solche Fläche zu betreuen und es ist nicht allzu viel Arbeit, mehr Biodiversität in die kommunalen Rasenflächen zu bringen.

Hans Reibold

Grüninsel

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